Google startet Vergleichsportal – Warum das keine Randnotiz ist

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Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute, dass Google ein eigenes Vergleichsportal für Versicherungen in Deutschland plant. Im Fokus stehen dabei KFZ-Versicherungen, wie schon in den USA und in UK gestartet. Als Termin für den Start in Deutschland wird September genannt, was absolut Sinn macht. Denn am Jahresende ist die  große Wechsel-Zeit bei KFZ-Versicherungen.

Laut der SZ wurden 2012 online über 1 Mio. Versicherungs-Verträge im Bereich Autoversicherungen abgeschlossen. Ein Vertragsabschluss werde mit 80 € vergütet. Der Markt befindet sich noch im Wachstum, 2011 sollen es noch 250.000 Abschlüsse weniger gewesen sein. Die Betrachtung dieser Zahlen klingt aus Sicht von Google nicht nach einem gigantischen Geschäftszweig. Für einen Konzern mit 50 Mrd. Dollar Jahresumsatz wirkt ein Markt mit einem Volumen von gerade mal 80 Mio. Euro Gesamtsumme eher überschaubar. Aufgrund der sehr stark differenzierten Märkte weltweit ist eine einfach Skalierung dieses Modells im Bereich der Versicherungen auch nicht realistisch.

Es ist damit zu rechnen, dass der Aufwand für den Aufbau des Portals inkl. der Kooperationen mit den Versicherungen, Abrechnungsmodell etc. sehr groß war. Das macht nur Sinn, wenn Google das Modell auch auf andere Versicherungen und/oder weitere Themen ausweitet. Strompreise, Handy-Tarife, Tagesgeld, Kredite, usw. …

Eine Aussicht, bei der Betreiber von Vergleichsseiten die Knie weich werden dürften. Denn dass Google die Macht hat, fast jeden Markt umzukrempeln und etablierte Anbieter auf die hinteren Plätze zu verweisen, sollte jedem klar sein. Und darin liegt das größte Problem: Google steht seit mehreren Jahren unter Beobachtung der US Kartellbehörden. Es geht um eine zu große Marktmacht und eine Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung. Bisher hat Google das noch keine gravierenden Probleme bereitet. Sollte der Konzern aber tatsächlich seine Dominanz auch in dem Bereich ausspielen, könnte das Mittelfristig zu einer wesentlich breiteren Front gegen diese Marktbeherrschung führen.

Denn unter dem aktuell erwarteten Vorstoß leiden mehrere Branchen:

1. Die Vergleichsportale:

Google hat die Power, den kompletten Markt in die Knie zu zwingen. Durch die Beeinflussung der Suchergebnisseiten – durch Ranking oder durch direkte Integration – kann anderen Vergleichsseiten massiv Traffic abgezogen werden. Wie eine Integration aussehen kann, sieht man hier am Beispiel von der Flugsuche:

Dadurch stehen Vergleichsportale vor einer großen Herausforderung. Sie müssen es schaffen, dass Nutzer die Seiten als Marke im Kopf speichern und direkt anwählen. Ohne über die Google Suche zu gehen. Denn da könnte bald dann das Google Angebot lauern und den Traffic abgraben.

2. Die Versicherungen:

Versicherungen werden die direkten Kooperationspartner von Google und können ihren Vertrieb über die Plattform steuern. Damit begeben sich die Konzerne in eine Abhängigkeit von Google. Denn der Vertrieb ist  einfach und effizient und wird dazu verleiten, eigene Aktivitäten weniger stark zu forcieren. Kommt es auf Seiten von Versicherungskonzernen zu Unmut über Google, dann hätten sich die Kalifornier  damit mächtige Gegner geschaffen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Denn bereits jetzt verdient Google sehr viel Geld mit Versicherungen. Nahezu alle Anbieter von Versicherungen sowie die Vergleichsportale schalten AdWords Anzeigen. Und das zu sehr hohen Klickpreisen. Durch das neue Portal erhöht Google den Wettbewerbsdruck auf die bisherigen Kunden, was noch höhere Klickpreise zur Folge haben kann. Gleichzeitig hält Google auch bei den Versicherungen, die über die eigene Vergleichsseite vermittelt werden, die Hand auf. Das hat zur Folge, dass Google an einem Großteil der KFZ Versicherungen die online abgeschlossen werden verdient, teilweise sogar mehrfach durch Klicks bei der Recherche sowie Provision beim Abschluss über das eigene Portal.

Es wird spannend, wie die betroffenen Branchen und Medien weiter mit dem Thema umgehen…

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