Online Marketing Rockstar Recap – Nette Location. Super Speaker. Geiler Überraschungsgast, Digga

Online Marketing

Mit deutlicher Verspätung hier meine Eindrücke und Ideen von der Online Marketing Rockstars Konferenz 2012. Einige waren schneller als ich, hier, hier, hier und hier gibt es noch weitere Recaps. Scrollen lohnt sich bei dem Artikel, unten wartet ein Mitschnitt vom Auftritt von Das Bo!

Die Location Große Freiheit 36 war eine nette Abwechslung zu den üblichen Veranstaltungsorten von Konferenzen. Wo sonst Bands rocken, standen dieses Mal vornehmlich Herren, mal mehr, mal weniger herausgeputzt auf der Bühne. Leider war bemerkbar, dass die Location nicht unbedingt für Konferenzen geeignet ist, was aber meiner Meinung nach kein Drama war. Lieber zu warm und dann im T-Shirt, als dank Klimaanlage völlig unterkühlte Konferenzen in den USA.

Das Programm war abwechslungsreich und vielversprechend. Leider haben nicht alle Titel gehalten, was sie versprochen haben, aber der Gesamteindruck war super. Die Keynote von Florian Heinemann hat einen super Ausblick darauf gegeben, was er für 2012 im Online Marketing erwartet. Seiner Meinung nach steht dabei der Bereich Display Advertising und Real Time Bidding im Fokus. Florian hofft dabei auf eine zunehmende Professionalisierung des Marktes. Er rechnet auch mit einem deutlichen Wachstum im Bereich Mobile, da hier eine deutliche Diskrepanz zwischen der Nutzeranzahl bzw. Intensität und den Werbebudgets liegt.

Ich bin nicht sicher, ob das die Grafik aus der Präsentation war, aber die Aussage ist die gleiche:

Quelle: http://www.simplyzesty.com

Im Bereich E-Commerce hat er betont, dass es extrem wichtig ist, kostenlosen Traffic zu bekommen. Hier hat er als Beispiel Glossy Box genannt, die Traffic über Facebook und Youtube generieren.

Interessant finde ich seine These, dass ungestützte Bekanntheit (also Branding Aufbau) nichts anderes ist, als zeitverzögerter Umsatz. Das rechtfertigt die Versuche von E-Commerce Unternehmen, die ansonsten sehr performance orientiert werben, auch in Offline Kampagnen zum Markenaufbau zu investieren.

Ein paar Punkte größer hätte die Schrift auf seinen Folien aber ruhig sein können.

„Google ausgereizt: Was dann?“ war die Frage, die Björn Sjut anschließend beantwortet hat. Er hat dabei vorgeschlagen, sich bei seinen Display Kampagnen den Placement-Report anzuschauen und bei den lukrativen Placements nach mehr Werbemöglichkeiten zu suchen. Das kann zum Einen durch direkte Deals mit den Seitenbetreibern gemacht werden, sofern das Volumen interessant ist. Zum Anderen sollte man sich die Werbung auf den Seiten, die über andere Netzwerke als Google ausgeliefert werden, genau anschauen. Über die redirects (sein empfohlenes Tool dafür: Fiddler) lässt sich in der Regel leicht das entsprechende Netzwerk identifizieren und somit kann auch die Möglichkeit einer direkten Buchung genutzt werden.

Im anschließenden Panel über Traffic-Generierung ist mir insbesondere der Hinweis von Dirk Friese, dass blau.de einen großen Teil seines Umsatzes über den Lebensmitteleinzelhandel generiert im Gedächtnis geblieben.

Ungewöhnlich war im Programm, dass mit Lars Köster ein Vertreter von Mckinsey dabei war. Bisher habe ich Unternehmensberatungen nicht gerade als Vorreiter in Sachen Online Marketing wahrgenommen. An dieser Ansicht hat sich auch nicht viel geändert. Aber sicherlich ist ein Unternehmen wie Mckinsey wichtig, um Online Marketing in Großkonzernen vorwärts zu bringen, die bisher wenig Sinnvolles in dem Bereich gemacht haben. Durch ihren Zugang zu Vorstandsetagen besteht die Möglichkeit, ein Bewusstsein und Verständnis für die Materie zu schaffen. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich von den Beratern zeigen lassen wie man twittert und darf dies dann auch mit Mckinsey Mitarbeitern machen. Erfolgt die Abrechnung dafür wohl per Tweet? Wenn ja, was kostet ein Tweet? Vielleicht ist das ja das neue Geschäftsmodell für Unternehmensberatungen.

Mehr erhofft hatte ich mir vom Vortrag der Psychologin Sabine Trepte. Dieser war leider mit unfassbar vielen Fremdwörtern gespickt, so dass ich gelegentlich nicht ganz folgen konnte. Inhaltlich ging es aber (in dem Teil den ich verstanden habe) um das Thema Psychologie und Facebook.

Warum posten wir bei Facebook? Ganz einfache Erklärung: Reziprozität (das Wort kannte ich vorher schon und konnte bei den Kollegen angeben). Einfach erklärt geht es um Geben und Nehmen. Ich poste etwas um etwas zurück zu bekommen (Likes, Kommentare). Je größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich dieses Feedback bekomme, desto größer ist auch meine Motivation, mehr von meinem Privatleben zu teilen. Darin sieht sie auch den Grund, warum Facebook wächst und alle anderen Netzwerke schrumpfen oder sterben. Die Nutzer schätzen die Wahrscheinlichkeit für Feedback bei Facebook am größten ein. Für mich war das die wissenschaftliche Erklärung dafür, dass ich Fotos von meinem Sohn poste. Nichts bringt mehr Likes und Kommentare. Und um ein Stück vom Kuchen abzubekommen, poste ich dann auch ab und zu Fotos von mir mit meinem Sohn. Ich weiß, das ist ganz schön schwach, aber ich sehe das auch als Rückvergütung für die vielen schlaflosen Nächte 

Vom Vortrag von Patrick Klingberg ist mir nichts im Detail hängengeblieben, außer dass er super, unterhaltsam und informativ war.

Im Anschluss waren Nils Dörje und Markus Tandler dran. Wie immer kurzweilig, unterhaltsam und dennoch auch inhaltlich wertvoll. Mutig war der Versuch, den Inhalt für den andere sonst eine Stunde brauchen würden in 20 Minuten durchziehen. Hat fast geklappt.

Im Vortrag von Nils (ca. 7 Minuten) ging es in erster Linie um die Universal Search und die zunehmende Bedeutung insbesondere der Reviews von Produkten und Places. Spannend war auch die Akquisitions-Roadmap von Google. Hier hat Nils gezeigt, welche strategischen Bereiche Google durch Zukäufe abdeckt. Details über alle Investitionen finden sich bei Google Ventures. Auch dass hinter jedem Such-Angebot von Google ein eigener Algorithmus steckt hat er erwähnt.

Wenig überraschend: Kaum jemand im Publikum hat die neuen Nutzungsbedingungen von Google gelesen, aber fast alle haben sie schon abgesegnet (ich auch). Nils hat auf die Passage hingewiesen, dass man Google sehr weitreichende Rechte in Bezug auf die Nutzung der Inhalte, die man auf Google-Seiten einstellt an Google einräumt.

Den restlichen Teil der Zeit nutzte Mediaonis Markus Tandler für einen Ausblick auf die Zukunft der Suche, bzw. auf seine Vermutung, wie es weitergeht. Er hat dabei auch noch einmal betont, dass Google nicht die am besten optimierte Seite oben stehen haben will, sondern die mit den besten Inhalten für den Nutzer.

Das Thema Zusammenhang zwischen Facebook Likes und Ranking hat er sehr leicht nachvollziehbar mit „Correlation is not causation“ erklärt. Wo viele Störche leben, gibt es auch viele Kinder. Besteht da ein Zusammenhang?

Sehr spannend war auch der Vortrag von Daniel Schiemann zum Thema XXX-Marketing. Er hat erklärt, wie die Verwertungskette von Porno-Seiten funktioniert und wie die Affiliate-Geschäftsmodelle drum herum laufen. Kreative Marketing-Ideen um Aufmerksamkeit zu bekommen sind in dem Bereich möglich. Porno-Dreh in der Öffentlichkeit, bei dem man selber die Presse und Polizei ruft. Oder statt Plakat-Flächen in einer Stadt zu buchen, lieber ein paar Ferraris und die mit der Domain bedrucken. Damit erreicht man deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Philip Roth von allfacebook.de hat wie schon häufiger betont, dass die Anzahl der Fans auf Facebook nicht entscheidend ist. Reichweite entscheidet sich nicht in der Anzahl der Fans. Wichtiger ist es, bei den Fans relevant zu sein, damit die Meldungen der Fanpage es auch in den Stream schaffen. Aber ich fürchte, der Schwanzvergleich wird weiter gehen und die Anzahl der Fans weiter auf Platz 1 der Wunschliste von Fanpage-Betreibern stehen.

Der nächste Auftritt war ein ganz spezieller: Das Bo! Nach verhaltenem Start gingen selbst die Anzugträger steil. Sehr cooler Auftritt, so etwas sollte zum Standard bei Konferenzen werden. Hier ein kleiner Video-Mittschnitt:

Ein eher ungewöhnlicher Vortrag war auch der von Michael Marcovici vom Domain Developers Fund. Hierbei handelt es sich um den ersten und einzigen Investmentfond, der sich auf den Handel mit Domains spezialisiert hat. Spannende Idee, schließlich gelten Domains nicht zu Unrecht als die Grundstücke des Internets. Und eine gute Domain (.com oder .de) ist wie ein Grundstück in guter Lage.

In der Akte E-Mail Marketing hat Simon Gollmann von sg media und marketing mit einigen gängigen Vorurteilen über E-Mail Marketing aufgeräumt. So z. B., dass Facebook der Killer für das E-Mail Marketing ist und alle demnächst ihre E-Mails nur noch über Facebook bekommen. Hier hat er gegengehalten, dass die Nutzer sicherlich kein Interesse haben, dass Bestellbestätigungen, Konto- und Depotauszüge oder sonstige sensible Transaktions-Mails innerhalb von Facebook zu bekommen. Auch zu Problemen wie Spam hat er klar Stellung bezogen und somit gezeigt, dass E-Mail Marketing eine absolute Daseinsberechtigung hat.

Die im Anschluss an die Konferenz stattfindende Aftershow Party im Mandalay war ziemlich überlaufen, trotzdem hat das Freibier eine gute Zeit lang gereicht. Alles in allem eine gelungene Konferenz-Party, auch wenn der Samstagmorgen schmerzfreier hätte sein können…

Fazit: Super Veranstaltung mit interessanten Vorträgen, schönen Blicken über den Tellerrand.

Eine Antwort zu “Online Marketing Rockstar Recap – Nette Location. Super Speaker. Geiler Überraschungsgast, Digga”

  1. Danny Wob sagt:

    Hi. Klare Worte. Alles klar. Besten Dank. Mach weiter.Bin ein Freund. Immer weiter so. Die Webseite hat Power. Frieden

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