Online Marketing Rockstars 2014 – Das waren die Highlights

Online Marketing

Am 21.02. wurde in Hamburg gerockt. Im Stage Theater, wo sonst das Musical „König der Löwen“ läuft, versammelten sich 2.000 Online-Marketer um einem illustren Referentenkreis zu lauschen.

Das Lineup dieses Jahr war vielversprechend und hat auch meine Erwartungen erfüllt. Grandiose Veranstaltung mit vielen spannenden Vorträgen und auch musikalisch gab es wieder ordentlich was auf die Ohren.

Meine Highlights habe ich in diesem Post zusammengefasst und dazu noch einige weiterführende Informationen zu den einzelnen Beiträgen ergänzt.

Den Start machte Jonah Peretti, Gründer unter anderem von Buzzfeed und Huffington Post. Er hat an vielen Beispielen gezeigt wie man Content erstellt, den Menschen lieben und teilen.

Dass er ein ganz großer auf dem Gebiet ist, hat er an drei Beispielen aus der Vergangenheit illustriert.

1. Nike ID Sweatshop

Nike hat Kunden 2001 angeboten, ihren Schuh mit einem personalisierten Schriftzug zu versehen. Peretti wollte auf seinen Schuh „Sweatshop“ schreiben lassen. Nike fand die Idee aus nachvollziehbaren Gründen nicht so gut und hat den Auftrag storniert. Darauf hin entstand ein E-Mail Dialog, den Peretti veröffentlichte. Nachzulesen bei about.com.

Diese Aktion hat große Wellen geschlagen und ihm einen Auftritt bei NBC eingebracht inklusive einer Diskussion mit dem Sprecher von Nike. Und seiner Website brachte das Ganze einen gigantischen Traffic-Anstieg.

  

Bildquelle und mehr Details zur Geschichte: www.knowyourmeme.com

 

2. New York Rejection Line

Wenn man an der Bar jemanden kennenlernt, kein weiteres Interesse an der Person hat, aber nicht unhöflich sein will, gibt man statt der eigenen Rufnummer einfach die der Rejection Line an. Ruft die Person dann dort an, erhält er oder sie die freundliche Erklärung, dass die Person mit der sie gesprochen haben, kein Interesse hat.

Die Idee wurde von unzähligen Zeitschriften, Websites und Fernsehsendungen aufgegriffen. (Übersicht hier).

 

  • 3. Black People Love us

Das satirische Projekt Black People Love us zeigt ein weißes Paar, das sich damit brüstet, von Schwarzen gemocht zu werden. Und visualisiert das anschaulich mit übertriebenen Fotos und Testimonials, die das bestätigen.

Auch diese Idee wurde viral und hat ihm Auftritte im Fernsehen beschert, bei denen er dann über die Probleme der Rassendiskriminierung diskutieren durfte.

 

 

Seine Ratschläge für die Teilnehmer der Rockstars waren unter anderem, bei der Veröffentlichung von Content authentisch zu sein und seine Persönlichkeit mit reinfließen zu lassen. Nur dann wird daraus teilbarer Content.

Ein weiterer Tipp: Den Moment festhalten. Content lebt davon, dass er zum Moment passt. Als Beispiel hat er dieses Bild gezeigt:

Quelle: http://www.buzzfeed.com/mjs538/stunning-photos-of-damage-caused-by-the-east-coast 

 

Auf Buzzfeed wurden Bilder von den Auswirkungen des Erdbebens 2011 an der Ostküste veröffentlicht. Das Bild und der Artikel wurden zig-fach geteilt, weil sie genau zu dem Moment passten und damit Teil des Zeitgeist waren.

Gut teilbarer Content sind auch immer witzige Dinge, die die Menschen ausdrucken können.

Ein wichtiger Ratschlag war auch, genau darauf zu achten, wie Menschen etwas teilen, also wie sie es mit eigenen Worten kommentieren. Dadurch erfährt man einfach, warum der Content für die Leute teilenswert waren und was der Inhalt für sie bedeutet.

Bannerwerbung hält Peretti für einen Fehler der Geschichte, weil sie einfach nur eine uninspirierte Übertragung alter Werbeformen auf ein neues Medium ist und den Möglichkeiten nicht gerecht wird. Aus diesem Grund monetarisiert er Buzzfeed mit Native Advertising, also Werbeeinbindungen, die Teil des Contents sind. Dabei muss die Werbung so gut und passend sein, dass sie auch teilbar ist. Das führt zu einer viralen Verbreitung und besseren Ergebnissen.

Neben den Beispielen und Ideen lieferte er auch seine Begründung dafür, warum Google im Bereich Social nicht erfolgreich ist. Der Großteil der Suchergebnisse ist schlicht nicht teilbar, bzw. niemand würde sie teilen. Oder würden Sie einen Artikel mit Tipps gegen fettige haut teilen?

 

Der nächste Online Rockstar auf der Bühne war Ben Edelman von der Harvard Business School. Sein Thema waren die Probleme, die er mit Google hat. Denn in seinen Augen agiert Google in einigen Bereichen nicht sauber. Der Vortrag war keine Pauschalkritik im Sinne von „Google ist böse“, sondern zeigte einzelne problematische Beispiele.

1. Google Toolbar: Hat man die Toolbar installiert und wählt dabei aus, dass die Daten nicht an Google weitergegeben, passiert dies trotzdem.

2. AdWords Brand Keywords: Anhand einer Studie über ebay hat er aufgezeigt, dass es eindeutige Hinweise gibt, Brand Keywords als Geldverschwendung zu betrachten. Ebay hat 2012 für einen Test sämtliche Brand-Keywords (auch Longtail) bei AdWords und Bing Ads gestoppt und die Auswirkungen auf den Traffic beobachtet. Das Ergebnis:2014-03-04_11h01_48

 

Die gesamte Studie ist hier nachzulesen: http://faculty.haas.berkeley.edu/stadelis/Tadelis.pdf

Die Ergebnisse decken sich auch mit Erfahrungen, die wir häufig machen. Unternehmen investieren in Markenaufbau und Markenbekanntheit, geben aber trotzdem viel Geld für Brand Keywords bei AdWords aus. Der Hintergrund ist meist simpel: Brand Keywords konvertieren natürlich weit überproportional und sorgen so für eine Verschiebung des Gesamtergebnisses. Dadurch wird die Leistung des intern oder extern Verantwortlichen gepimpt. Auf Kosten unnötiger AdWords Klicks.

3. Chrome Brand Eingabe

Gibt man bei Chrome einen Websitenamen in die Browserzeile ein, schickt Google einen auf die Suchergebnisseite und schlägt nicht als erstes die Domain als Suchvorschlag vor. Erst wenn man zur Eingabe einen Punkt ergänzt, kommt der Domain-Vorschlag und dadurch die Möglichkeit, ohne über die Suchergebnisseite zu gehen. Dieses Vorgehen führt zu unnötigen Umwegen der Nutzer und vielen Klicks auf AdWords Anzeigen auf den Brand Namen. Und ist somit eine Verlängerung des geschilderten ebay-Problems.

Alles in Allem keine Neuigkeiten und keine Überraschungen, das ebay Beispiel sollte aber endlich Schule machen und unnötige AdWords Ausgaben reduzieren.

 

SEO Gott Rand Fishkin hat wie immer alles gegeben. In Sachen Performance ein absoluter Rockstar. Sein gesamter Vortrag hier:

Keeping Up with Google’s Insane Pace of Change from Rand Fishkin

 

 

Florian Heinemann und Danuta Florczyk haben eine ganze Menge Input zum Thema Adserver und Plattformen geliefert. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass große Websites auf einen eigenen Adserver setzen für ihre Display-Aktivitäten.

Als Server empfehlen sie insbesondere Doubleclick bei großen Volumina und alternativ für kleinere Unternehmen Next Audience.

Anschließend folgte noch ein schnelles Tool-Vorstellungs-Hopping mit ein paar sehr guten Empfehlungen.

Suchmaschinen:

  • iSpot : Suchmaschine für TV Spots in den USA. Sehr nützliche Seite um TV Spots und dazu gehörige Daten zu suchen.
  • Moat: Suchmaschine für Banner. Wir nutzen die schon länger als Inspirationsquelle.
  • NerdyData: Suchmaschine für  HTML-Code.

Analytics Tools

Kampagnen-Tools:

 

Ein überraschend und angenehm anderer Vortrag war der von Elvir Omerbegovic von Selfmade Records. Er hat unter anderem Künstler wie Casper und Kollegah aufgebaut, ohne dabei zum Start auf klassische Medien zurückzugreifen. Im Fokus stehen bei den meisten Musikern die Youtube Aktivitäten. So ist der Selfmade Records Youtube-Kanal mit 635.000 Abonnenten stärker als der von Jay-Z.

Ein kurzer Blick auf den Kanal zeigt, dass z. B. ein neues Video von Kollegah innerhalb von 2 Wochen über 3,6 Millionen Aufrufe erreicht hat:

2014-03-04_12h54_41

 

Bei der Produktion der Videos wird großer Aufwand betrieben und viel in die Qualität investiert. Fans erhalten über den Youtube Channel behind the scene Clips.

Um unabhängig von Facebook zu sein, wird eine eigene App betrieben.

Erst im zweiten Schritt hat das Musiklabel auf klassische Medien wie großflächige Plakate gesetzt. Durch das Aufstellen von Verkaufsrekorden wurden auch größere Zeitungen und  Zeitschriften auf das Label aufmerksam und erhöhten durch Berichterstattungen noch einmal die Reichweite deutlich. Und das in einem Genre, das ansonsten eher gemieden wird, auch auf Konferenzen. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, sonst vorher auf einer Bühne das Wort Mutterfickerrap (Zitat Elvir Omerbegovic) gehört zu haben.

 

 

Den Beweis, dass nicht nur amerikanische Speaker extrem starke Auftritte hinlegen können, hat dann Michael  Trautmann angetreten. Er hat ein mitreißendes Plädoyer für bessere Werbung gehalten. Nicht mehr Werbung, sondern kreative, intelligente und passende Werbung.

Als Beispiel für eine extrem gelungene Kampagne verwies er auf die Wahlwerbung für Obama 2008. Er hat es geschafft, über alle Kanäle Menschen zu erreichen. Und dabei alle Maßnahmen kombiniert und selbst über In-Game-Advertising potentielle Wähler angesprochen.

Als Grund für die oft schlechte Werbung zitiert er die fiktive Figur Don Draper aus Mad Men:

„People tell you who they are, but we ignore it because we want them to be who we want them to be.“

Das eigentliche Highlight seines Auftritts war allerdings die Zugabe. Denn Michael Trautmann nahm das Rockstars Motto ernst und performte Robbie Williams live:

Großer Sport. Hut ab.

 

 

Wie jedes Jahr gab es natürlich auch dieses Jahr ein musikalisches Highlight, wobei ich mich Frage, wie sie das Programm in den nächsten Jahren noch toppen wollen.

 

Auch die anderen Vorträge waren weitestgehend sehr gut. Und über die Aftershow-Party, die ich leider verpasst habe, hörte ich auch nur begeisterte Berichte.

Daher: Online Marketing Rockstars hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich freue mich auf die nächste Show 2015.

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